Sachlichkeit

Kate Diehn-Bitt / Michael Langer / Rafael Cidoncha / Emese Kazár / Sabine Herrmann

2. Mai – 27. Juni 2026, Galerie Albrecht, Berlin

Sabine Herrmann, Selbst, 1981, Lasurmalerei auf HF, 54 x 44cm

Der Begriff Sachlichkeit lässt an die Kunstströmung der „Neuen Sachlichkeit“ denken, die von 1918 bis 1933 andauerte und für die 1920er-Jahre typisch ist. Mit der im Jahr 1900 in Schöneberg bei Berlin geborenen und 1978 in Rostock verstorbenen Künstlerin Kate Diehn-Bitt zeigt die Ausstellung eine zu Unrecht vergessene Vertreterin dieser Strömung, die ihre Malerei auch nach dem Zweiten Weltkrieg fortsetzte. Ein weiterer Künstler, aus dessen Nachlass Werke präsentiert werden, ist Michael Langer. Er zählt zu den Vertretern des „German Pop“, benannt nach der 2014 unter der Leitung von Max Hollein in der Schirn Kunsthalle Frankfurt veranstalteten Ausstellung.

Sachlichkeit bedeutet, das eigene Ich zurückzustellen, sich einer Sache oder einem Menschen zuzuwenden und diese realistisch darzustellen. Die Künstler der Neuen Sachlichkeit wählten Porträts, Stillleben sowie Stadträume und Industrieanlagen, die sie politisch engagiert, idyllisch oder im magischen Realismus darstellten. Diese Auswahl der Motive wird auch in der Ausstellung beibehalten.

Sabine Herrmann (*1961) verbindet Sachlichkeit mit Poesie und Traum, Realismus mit Gefühl. Im Bild „Abendlied“ beugt sich eine Frau herab, als wolle sie Strümpfe anziehen. Ihre helle Gestalt ist von dunklen Farben umgeben, die der Darstellung eine leichte Schwermut verleihen. Das frühe, fein gemalte Selbstporträt, das an Paula Modersohn-Becker erinnert, verzichtet weitgehend auf Farbigkeit und beschränkt sich auf differenzierte Brauntöne, wodurch der ernste Ausdruck des jungen Gesichts besonders hervorgehoben wird.